Peter Brinckmann (1951 – 2003) – Vater der deutschen Piping-Szene

Er ist unbestritPeter Brinckmannten eine streitbare Persönlichkeit. Es ist seine Wesensart quer zu denken. Um der Dinge auf verschiedene Arten ansichtig zu werden, geht er unkonventionelle Wege – manchmal für Andere nicht sofort nachvollziehbar. Peter Brinckmann wurde am 7. Februar 1951 in Stockstadt am Rhein als Sohn eines Bildhauers und einer Krankenschwester geboren.

Mit 9 Jahren begann er Klavier zu lernen. Mit 11 Jahren hatte er sein erstes Konzert an diesem Musikinstrument hinter sich und noch 3 Jahre Volksschule vor sich. Danach besuchte er die Berufsfachschule für das graphische Gewerbe in Darmstadt und ging anschließend bei „Burda“ in die Schriftsetzerlehre. Das Klavier wurde im Laufe dieser Zeit von etlichen anderen Instrumenten abgelöst. Brinckmann komponierte und zeichnete.

Er besuchte als Gasthörer die Akademie für Tonkunst in Darmstadt im Fach Harmonielehre und Kontrapunkt. Seit seinem 13. Lebensjahr spielte er in diversen Rock-, Pop- und Jazz-Bands. Nach dem Ableisten des Wehrdienstes (18 Monate Sanitäter) und etlichen Wehrübungen (OFw d.R.) neigte sich Brinckmanns Interesse der schottischen Great Highland Bagpipe zu – und dies ausschließlich und endgültig. Es folgt die Entlassung bei „Burda“ und das Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main. Dann: Illustrator bei Ogilvy & Mather Focus in Frankfurt am Main. Die Pipe ernährt ihren Mann: Lehrauftrag an der Musikschule Rüsselsheim, Eröffnungsmusiken bei Noris-Bank-Filialen bundesweit, deutsche Erstaufführung der Suite „An Okney Wedding with Sunrise“ von Sir Peter Maxwell Davis, Hochzeiten, Beerdigungen, Highlandgames, Veranstaltungen diverser Dance Clubs etc. Er gründet die Darmstädter „Loodvichs Highlanders“, deren P/M er von 1976 – 1986 ist. Die Sommerschule für Dudelsackpfeifer wird 1982 ins Leben gerufen. Peter Brinckmann leitet dieselbe 13 Jahre lang und ist derzeit (2002) zum 21. mal dort als Lehrer tätig. Er war Mitbegründer der Bagpipe Association of Germany e. V. und ist dort der Vorsitzende.

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Seine Ausbildung in Sachen schottischer Musik für den Dudelsack erhielt er von Alfred Morrison sen., der am 15. Februar 1990 starb. Durch diesen Lehrer wurde Brinckmann in die Lage versetzt, national und international Preise zu gewinnen. Viele davon sind ihm nicht mehr zu nehmen: z.B. ist er der erste deutsche Solopiper überhaupt, der international einen Preis gewann (Piobaireachd: 1987, 1988 (2x), 1990, 1994; Light Music: 1988,1989, 1990, 1991), der erste deutsche Solopiper, der die Copenhagen Piobaireachd Trophy gewann, der sie sogar zweimal gewann. Als Pipe Major führte er die BAG Pipe Band zu Preisen 1990, 1991, 1992, 1993 und die Spirit of Germany Pipe Band zu Preisen 1995 in Swifterband (Holland) und Dunfirmline (Schottland).
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Seine Teilnahme an internationalen Wettbewerben ermöglichte Peter Brinckmann das Kennenlernen der großen „Heroes“ der Bagpipemusic. Daraus ergaben sich folgerichtig Bekanntschaften, die der Sommerschule für Dudelsackpfeifer, Trommler und Tänzer in Deutschland in Form von „preiswerten weil befreundeten“ 1st-Class-Lehrkräften zuteil wurden.

Als „Judge“ saß Brinckmann etliche Male national und international in der Jury. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorsitzender der BAG initiierte er 1993 die German Knockout Competition. Seine verfaßten Hefte bzw. Bücher (Komplettes Lehrbuch für die Great Highland Bagpipe – die „schwarze Bibel“ während der ersten 8 Sommerschulen, „The German Summer School Collection of Bagpipe Music“ und das „Piobaireachd Workbook“, siehe unten) stehen sowohl in der British National Library in London als auch in der National Library of Scotland in Edinburgh. Peter Brinckmann begann mit 24 Jahren Dudelsack zu spielen und hat im Laufe seiner Lehrtätigkeit in Sachen Bagpipes zahllose Schüler/Hörer/Teilnehmer betreut – etliche von Ihnen sind bis heute (2002) national und/oder international zu Ehren gekommen. Die Neider allerdings sind ihm auch geblieben. Dennoch: bereits zu seinen Lebzeiten ranken sich die Geschichten und Anekdoten um ihn. Und eins bleibt: sein bissiger Humor.stamm

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Im Jahr 2002, als dieser Text entstand, war Peter Brinckmann 51 Jahre alt, Vater von Anna und Max, und bei der Firma Software AG im Marketing beschäftigt. Nebenbei war er seit 1987 der Galerist einer Galerie, malte und zeichnete (wie immer schon) und schrieb und führt seit 21 Jahren Regie beim KIKERIKI Theater in Darmstadt.
herzpiper„Ich finde trivialen Sex völlig in Ordnung – nur die Musik muß vom Feinsten sein.“

Peter Brinckmann erlag am 03.02.2003, 4 Tage vor seinem 52. Geburtstag, einem Krebsleiden.

Zwei seiner Publikationen

The German Summer School Collection of Bagpipe Music

mbookPiobaireachd Workbook

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