Die BAG – The Story so far …

Die Geschichte der Bagpipe Association of Germany ist untrennbar mit der von Peter Brinckmann verflochten. Niemand kann abschätzen welchen Nutzen die Arbeit des Vaters der BAG verursacht hat. Ich denke dabei insbesondere an die Sommerschule, die 2006 zum 25. Mal durchgeführt wurde. Wie viele Menschen haben sich auf der Schule in diesen mehr als fünfundzwanzig Jahren wohl an der Pipeitis angesteckt? Eine Infektion, die zu einer unheilbaren Krankheit führt, unter der der Betroffene bis zu seinem Tod, wann immer der auch sein mag, leidet (oder nicht leidet). Wieviel Infizierte haben sich dort getroffen und realisiert, daß sie nicht alleine sind. Auch Selbsthilfegruppen (Pipe Bands und ähnliche Formationen) haben hier ihren Anfang genommen. Schüler haben Lehrer getroffen. Lehrer haben Schüler mit zur Schule geschleift. Schüler wurden zu Lehrern.
Image Gegründet hat Peter die Bagpipe Association of Germany wohl 1983 oder so. Die BAG verfügte über einen Präsidenten (Jürgen Reichsfreiherr Raitz von Frentz, ein Bruder Peters), zwei Vizepräsidenten (Dr. Wolfgang Flach und Dr. Heinz Otto), einen Schatzmeister (Walter Horn) und last but not least einen Sekretär (Peter Brinckmann), der wie Richelieu im Hintergrund und im Schatten der übermächtig erscheinenden Namen der Präsidenten die Geschicke der Organisation bestimmte. Tatsächlich war dies die ganze Struktur, die die BAG ausmachte. Mehr war da nicht. Nicht mehr als ein an Pipeitis erkrankter Peter Brinckmann, der seine ganze Energie, viel Zeit und eine Menge Geld in die Unterstützung einer eigentlich noch gar nicht vorhandenen Piping Szene investierte.
Mitglieder waren die oben genannten Vorstandsmitglieder, die Schüler Peters, zu denen auch Wolfgang Flach, Heinz Otto und Walter Horn zählten, und jeder, der den Mitgliedsbeitrag von damals 4 DM pro Monat bezahlte. Wer nicht bezahlte war kein Mitglied. Der Obolus wurde im wesentlichen zur Finanzierung des Infos, das Peter bis heute redigiert, bestimmt. Wie gesagt, wer nicht bezahlte war kein Mitglied und das merkte derjenige daran, daß er kein Info mehr bekam. Die, die das Info bekamen, waren wohl 1988 so um die fünfzig Menschen, die Walter Horn anhand der Zahlungseingänge ermittelte.
Das Info war aber nicht die einzige Aktivität Peters. 1982 führte er die erste Sommerschule für Pfeifer in der Festung von Rüsselsheim durch. Ein einwöchiges Seminar mit sieben Schülern und ihm selbst als einzigem Lehrer. Im Jahr darauf kamen als Lehrer seine Privatschüler hinzu. 1985 wurde der erste Brite (Graham Waller) als Lehrer engagiert. Heute heißt das „Sommerschule für Pfeifer, Trommler und Tänzer“ und findet auf der Burg Breuberg im Odenwald mit etwa 240 Schülern und an die zwanzig größtenteils britischen Lehrern statt.
Außerdem begann Peter unter dem Namen BAG das zarte Pflänzlein Dudelsackszene in Deutschland durch Telefonhilfe (-seelsorge), Briefe beantworten und Kontakte knüpfen zu hegen und zu pflegen.
Und so ging es wohl bis 1988 als Peter in unserer alljährlichen Versammlung im Anschluß an die Sommerschule (noch in Rüsselsheim) zu verstehen gab, daß ihn der Wunsch bewege, bei seiner Arbeit doch etwas Hilfe durch die Mitglieder zu erhalten. Nun denn. Ich äußerte meine Bedenken bezüglich der mangelnden Rechtsfähigkeit und Struktur der BAG und machte den Vorschlag, dies durch eine ordentliche Gründung der Organisation zu beheben. Hintergrund der Idee war, das Schattenkabinett von Präsidenten ohne richtige Aufgaben durch einen tätigen Vorstand abzulösen. Außerdem hätte sich dann auch die Möglichkeit der Gemeinnützigkeit eröffnet, die die steuerlichen Risiken der bisherigen Konstruktion vermindert hätte. Der Vorschlag wurde begrüßt und, wie das nun mal im richtigen Leben ist, der Vorschlagende mit der Durchführung betraut.
Welch ein Glück, daß die Drunken Pipers in der Folge bei einem Auftritt auf einem Straßenfest, an den Stand eines Vereins geraten ist, der sich mit dem Kampf gegen Lärmbelästigung durch Militärflugzeuge beschäftigte. Ich nahm eine Ausfertigung von deren Satzung mit und wurde nicht Mitglied, sondern schrieb dieselbe ab und paßte sie an die Erfordernisse der Bagpipe Association an. Allzu viel Ahnung hatte ich ja von solchen Dingen nicht, so daß ich für diese Vorlage mehr als dankbar war. Ich übergab meinen Entwurf Peter, der ihn billigte (mehr Ahnung als ich hatte er ja auch nicht).
Am 13. November 1988 war es dann soweit. Wir trafen uns in Peters Wohnung in Darmstadt zur hochoffiziellen Gründungsversammlung. Wir, das waren Peter Brinckmann, Dr. Heinz Otto, Dr. Wolfgang Flach, Klaus Linhart, Anette Kempf und meine Wenigkeit. Nun denn, das sind sechs Menschen. Für die Gründung eines Vereins braucht man aber sieben. Keiner kann die Verzweiflung beschreiben, die sich allmählich ausbreitete, als wir auf unseren siebten Gründer, Walter Horn, warteten und warteten. Doch das schon fast Aufgegebene geschah. Walter erschien und Satzung und Gründungsprotokoll wurden unterschrieben. Der Verein war geboren und wurde nun mit Peters Whisky begossen (was man auf den Fotos von dem Ereignis deutlich erkennen kann).

Image Der erste Vorstand setzte sich aus folgenden Menschen zusammen:

Erster Vorsitzender: Peter Brinckmann
Zweiter Vorsitzender:
Achim Wolsiffer-Maeding
Kassenwart: Walter Horn
Schriftführerin: Anette Kempf

Die Folge war natürlich, daß die neue BAG nur noch über sieben Mitglieder verfügte. Aber innerhalb eines halben Jahres gingen bei Walter etwa dreißig bis vierzig Beitrittserklärungen ein, so daß die neue Organisation sich wieder mit Leben füllte.
Das mit der Gemeinnützigkeit war allerdings ein Problem. Das Finanzamt Darmstadt weigerte sich, sie anzuerkennen. Grund war, daß wir (so wie der Lärmschutzverein) bestimmt hatten, daß im Falle der Auflösung die Mitgliederversammlung beschließt, wer das Vereinsvermögen erhält. Das muß aber schon in der Satzung geregelt sein. Peter schlug als Empfänger die Akademie für Tonkunst vor, wir beschlossen eine entsprechende Satzungsänderung und erhielten daraufhin unsere Steuerfreistellung wegen Gemeinnützigkeit.

1990 kam dann zur Sommerschule, die 1989 auf die Burg Breuberg umgezogen war, eine Competition in Ludwigshafen hinzu. Organisationskommittee ist bis heute die Gruppe „The Drunken Pipers“ aus Ludwigshafen. Zum Verantwortlichen für dieses Projekt wurde ich bestimmt. Zwei Mitglieder der Drunken Pipers waren und sind Vorstandsmitglieder der BAG.
1991 war das Geburtsjahr der BAG Pipe Band. Ein kurzlebiges Gebilde, das bei verschiedenen Competitions teilgenommen hat. Nachfolger der Band war später die Spirit of Germany Pipe Band, die immerhin 1995 in Dunfermline den vierten Platz in Grade 4 gemacht hat und 1996 in Copenhagen mit seinem Quintett den ersten, um dann allerdings wieder in der Versenkung zu verschwinden.
Im gleichen Jahr fand der erste Wechsel im Vorstand statt. Unser Kassenwart Walter Horn konnte aufgrund privater Probleme seine Tätigkeit für uns nicht weiterführen. Nach vielen Überlegungen, wie man den Kassenwart ersetzen könnte, kamen wir auf die glorreiche Idee, daß Walter und ich die Ämter tauschen könnten, da mir das Amt des zweiten Vorsitzenden nicht allzuviele Pflichten auferlegte und ich ohnehin schon Abschluß und Steuererklärungen für die BAG erstellte. Walter erklärte uns, daß er keinerlei Interesse mehr an einem Vorstandsposten hätte und wir uns dieses Angebot schenken könnten. Daraufhin erwogen wir die zweite Alternative, die wir ausgeklügelt hatten, nämlich, daß der Trommler Bert Anhalt zweiter Vorsitzender werden könnte, so daß nun auch die Trommler entsprechend im Vorstand der BAG repräsentiert wären. Am 11. August 1991 trug Peter der Mitgliederversammlung diese Umstrukturierung des Vorstands vor und dann kam die Frage an Walter, ob er sein Amt zur Verfügung stelle. Der restliche Vorstand verfügte wohl über den dümmsten kollektiven Gesichtsausdruck der Geschichte, als Walter „nein“ sagte. Es klärte sich aber schnell auf, daß Walter die Frage mißverstanden hatte. Er stimmte sodann zu und der Vorstand wurde wie geplant umbesetzt. Danach fingen für mich die Leiden einer ungeprüften Kasse an. Ich hatte Walter nämlich zum Kassenprüfer vorgeschlagen, ein Amt, das vorher Dr. Burkhard Ziegler ausübte, Walter kam aber über mehrere Jahre seiner Pflicht nicht nach bis er dann eines Tages mit Block und Stift auftauchte, um die Kasse zu prüfen, kurz nachdem die Mitgliederversammlung Andy Fluck zum Prüfer bestimmt hatte. Auf jeden Fall konnte ich bei mehreren Mitgliederversammlungen nicht entlastet werden, was doch schon ein rechtes Ärgernis darstellt. Hätte meine Neuwahl in dieser Zeit angestanden, wäre diese nicht möglich gewesen.
1993 kam eine weitere Aktivität zur Sommerschule und der Competition hinzu. Eine Knockout Competition, bei der immer zwei Pfeifer gegeneinander spielen und das Publikum entscheidet, welcher der beiden die bessere Performance geliefert hat. Der Sieger ist dann auch der German Public Champion, ein Titel, der nur einmal im Leben erspielt werden kann. Koordinator der Competition ist bis heute Peter Brinckmann, der mit der Einführung dieses Events das Pfeiferjahr um ein weiteres Ereignis bereichert hat.
1993 haben wir auch unsere Satzung geändert und den Vorstand, bisher zum letzten Mal umbesetzt, will heißen, einen neuen Schriftführer bestellt. Hintergrund war die Auswanderung Anettes nach Schottland. Wir haben diese Gelegenheit genutzt und eine Vertretung in Schottland, den „Sekretär für Schottland“, in die Satzung eingebaut. Für dieses Amt haben wir dann Anette berufen und Klaus Linhart zum neuen Schriftführer gewählt. Außerdem haben wir die Gelegenheit der Satzungsänderung genutzt, diese in einigen Punkten zu verbessern. Die wichtigste Verbesserung war dabei, die Höhe des Mitgliedsbeitrags nicht mehr in der Satzung zu bestimmen, sondern der alljährlichen Mitgliederversammlung das Recht und die Pflicht aufzuerlegen, den Mitgliedsbeitrag festzusetzen. Den haben wir dann auch prompt auf 60 DM p.a. heraufgesetzt.
Ab dem Jahr 1996 übertrug Peter Brinckmann die Organisation der Sommerschule an mich und schließt damit eine vierzehnjährige Organisationstätigkeit ab. Selbstverständlich stand Peter für die Sommerschule für weiterhin sowohl als Lehrer als auch bei der Organisation beratend zur Seite. Am 3. Februar 2003, nur wenige Tage vor seinem 52. Geburtstag erlag Peter Brinckmann einem Krebsleiden.
Heute sind über 300 Pfeifer, Trommler und Tänzer sowie an schottischer Kultur interessierte Menschen Mitglied der Bagpipe Association of Germany e. V., die von zahlreichen ausländischen Organisationen als wichtiger deutscher Verband für das schottische Dudelsackspielen anerkannt wird. Wir verfügen über beste Kontakte zu Schottlands Piping Szene, über einen professionellen Stamm an Lehrern für die Sommerschule und über eine ausreichende Finanzkraft (Dank der Zahl der Mitglieder), um unsere Aktivitäten für lange Zeit weiterführen zu können.
Unsere Politik ist geprägt von der Leidenschaft zum Solo Piping und allem was hierzu gehört. Wir sind uns dabei bewußt, daß die Plattform für das Solo Piping in Deutschland von den Pipe Bands zur Verfügung gestellt wird. Wir wissen aber auch, daß gut ausgebildete Pfeifer und Trommler die Grundlage einer qualitativ hochstehenden Pipe Band Kultur darstellen. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern wollen wir daran arbeiten, aus diesen Vorgaben die Freude am Dudelsackspielen und Trommeln zu maximieren.